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Literatur-Analyse

Die Analyse von literarischen Texten unterteilt sich in drei Hauptkategorien:




Vorbereitende Arbeitsschritte der Analyse:


  1. Erster Schritt: Textaufnahme
    Sie sollten zunächst den Text sorgfältig lesen, den Inhalt bzw. unbekannte Ausdrücke - zunächst aus dem Sinnzusammenhang - klären und das Thema bedenken. Achten Sie bei Ihrem ersten Verstehensversuch bereits auf den Autor und den Titel der Erzählung sowie das Erscheinungsjahr. Am Ende sollten Sie zu einer Sinnvermutung (erstes Textverständnis bzw. Intentionshypothese) gelangen.

  2. Zweiter Schritt: Kontrolle der Aufgabenstellung
    Spätestens jetzt ist die Aufgabenstellung zu beachten. Wenn sich die Aufgabenstellung nicht auf die Anweisung "Analysieren Sie den Text!" beschränkt, lenkt Sie Ihre Aufmerksamkeit auf wichtige und besonders zu berücksichtigende Leitaspekte, die Ihren Verstehensprozess steuern, Anregungen zu dem Aufbau Ihrer Analyse bieten können. Ein Beispiel ist: "Analysieren Sie die Kurzgeschichte. Erarbeiten Sie dabei vornehmlich die Konstellation der Figuren," Der Aufgabenformulierung entnehmen Sie also Hinweise zur Schwerpunktbildung sowie zu dem erwarteten Grad an Ausführlichkeit. Sie können sodann bereits festlegen, ob Sie aspektgeleitet oder linear interpretieren.

  3. Dritter Schritt: grafische Aufbereitung und Strukturierung des Textes
    Beim zweiten, jetzt methodisch gezielten Lesen, einem Suchverfahren vergleichbar, sollten Sie den Text grafisch markieren (Schlüsselbegriffe einkreisen, Beziehungen andeuten, leitende Textstellen unterstreichen etc.), Oberbegriffe für die Sinnabschnitte (Erzählsequenzen) aufschreiben und sich bereits wichtige Zitate vormerken. Bei diesem Suchverfahren registrieren Sie zunächst strukturelle und thematische Merkmale (Figurenmerkmale, Raum-Zeitgestalltung, Sequenzenbildung, Aufbauprinzipien). Beachten Sie auch im sprachlichen Bereich Abweichungen von einer angenommenen Normallage bzw. auch Überstrukturiertheiten und die Ihnen relevant erscheinenden rhetorischen und erzählerischen Mittel.
    Es ist hilfreich, wenn Sie sich selbst ein Zeichensystem aneignen: z.B. Pfeil für Zusammengehörendes, Fragezeichen für unklare Stellen, Ausrufezeichen für Kernaussagen, Ziffern für Abschnitte und Unterabschnitte, Unterstreichungen für Schlüsselbegriffe, Kreise für Leitmotive.

  4. Vierter Schritt: Erstellung eines Entwurfs
    Nach mehrmaligem Lesen hat der Leser - im Wechselspiel zwischen der Beobachtung der Einzelheiten und des Sinnganzen - ein recht gesichertes Verständnis gewonnen. Diese erste Phase der Textbegegnung schließt ab, indem das Thema, das vorläufige Textverständnis bzw. auch der Deutungsansatz - möglichst stichwortartig - festgelegt werden (Konzeptpapier bzw. Entwurfsgliederung). Auf diese Weise haben wir bereits Aspekte für einen Einleitungsteil.